Noch vor zehn Jahren war La Brancaia nur Insidern bekannt. Heute gehört der Betrieb von Bruno und Brigitte Widmer zu den besten der Toskana. Die Schweizer haben La Brancaia 1981 von Francesco Mazzei vom Weingut Fonterutoli gekauft. Dessen Star-Önologe Carlo Ferrini hat auch den Stil des "Supertuscans" von La Brancai geprägt. "Il Blue", wie diese Cuvee aus Sangiovese, Merlot und Cabernet Sauvignon heute heißt hat mit dem 2000er Chianti classico einen stattlichen Bruder bekommen. Auch er hat das Zeug zum Kultwein.
Bis 1998 wurden die Brancaia-Weine auf dem Nachbargut Fonterutoli gekeltert. Seither werden sie im eigenen modernen Keller vinifiziert. Dort führt die Tochter Barbara Kronenberg-Widmer gemeinsam mit Carlo Ferini Regie.
Der Chianti classico 2000 DOCG ist der erst Wein der studierten Önologien, der deutlich ihre Handschrift verrät. Er verkörpert mit seiner Fruchtigkeit die klassische Tugend des Chianti und mit seiner Opulenz den modernen Stil. Der 2000er wurde sechs Monate länger als sein Vorgänger, also eineinhalb Jahre lang, im Barrique ausgebaut (die Hälfte der Fässer war neu) und lag vier Monate auf der Flasche. Der Chianti ist ein reinsortiger Sangiovese. Seine Trauben wurden von Mitte September bis zum 1. Oktober gelesen, noch vor den starken Regenfällen, die im Herbst 2000 die Toskana überschwemmt haben. Das Resultat ist ein bemerkenswerter konzentrierter Chianti, der sich mit den besten seines Jahrgangs messen kann.
(Auszug aus Feinschmecker, Ausgabe 2/2004 - Ralf Frädtke)